Warum ich von Tag 1 auch auf den Export meiner Haardt Hills Weine setze.
Ich werde manchmal gefragt, warum ich als junges Unternehmen – gerade mal ein Jahr am Markt – schon in Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Dänemark, Kanada und dem UK aktiv bin. Ob das nicht zu früh sei. Ob man nicht erst den deutschen Markt „durchdringen" sollte, bevor man sich nach außen öffnet.
Meine Antwort ist immer dieselbe: Nein. Und das hat Gründe.
Alkoholfreier Premiumwein ist ein globales Thema – kein deutsches Nischenphänomen.
Der Markt für hochwertige entalkoholisierte Weine wächst nicht nur in Deutschland. Er wächst überall dort, wo Menschen bewusster konsumieren, wo Gastronomie und Handel nach glaubwürdigen Alternativen suchen – und wo Qualität über Kategorie gestellt wird.
Wer in London, Amsterdam oder Kopenhagen in ein gutes Restaurant geht, erwartet heute eine Weinkarte, die auch für Nicht-Trinker funktioniert. Nicht mit Saft. Nicht mit Wasser. Sondern mit etwas, das dem Wein auf Augenhöhe begegnet.
Genau das ist Haardt Hills.
Herkunft ist international verständlich – auch ohne Herkunftsbezeichnung.
Wir dürfen unsere Weine regulatorisch nicht mit klassischen Herkunftsbezeichnungen wie „Pfalz" oder „Mittelhaardt" kennzeichnen. Das ist eine Besonderheit des entalkoholisierten Weins – und gleichzeitig eine kommunikative Aufgabe, die ich von Anfang an ernst genommen habe.
Was ich stattdessen tue: Ich erzähle die Geschichte hinter den Weinen. Die Böden. Die Familienweingüter im Umkreis von 8 km. Das Handwerk. Die Membran-Entalkoholisierung, die Aromen bewahrt, statt sie zu kochen.
Diese Geschichte ist international verständlich. Vielleicht sogar leichter zu erzählen als in Deutschland, wo viele Menschen noch immer reflexartig an „alkoholfrei = minderwertig" denken. In anderen Märkten ist diese Kategorie offener – und das Interesse an Herkunft und Handwerk ist genauso groß.
Selektiver Vertrieb funktioniert nur, wenn man selektiv denkt.
Ich arbeite bewusst mit wenigen, aber hochwertigen Partnern. Im Inland wie im Ausland. Kein Massenvertrieb, kein Discounter, kein Kompromiss beim Kontext.
Das bedeutet: Ein Importeur in Kopenhagen, der Haardt Hills führt, passt genauso in das Bild wie ein Spitzenrestaurant in München. Beide stehen für denselben Anspruch. Beide geben dem Wein den Rahmen, den er verdient.
Selektiver Vertrieb ist keine Frage der Größe – er ist eine Frage der Haltung. Und diese Haltung lässt sich exportieren.
Ich komme aus der Betriebswirtschaft. Das prägt meinen Blick.
Wer meine anderen Beiträge kennt, weiß: Ich bin kein klassischer Winzer. Ich denke in Märkten, in Positionierung, in Qualitätswahrnehmung. Und aus dieser Perspektive war der Export keine Option, die ich irgendwann prüfen wollte – er war von Anfang an Teil des Konzepts.
Ein Premiumprodukt, das nur lokal denkt, gibt sich selbst eine Grenze, die es nicht braucht. Gerade im entalkoholisierten Segment, das noch jung ist und in dem Marktanteile noch nicht verteilt sind, ist es wichtig, früh sichtbar zu sein. International.
Was ich dabei gelernt habe.
Export bedeutet nicht, überall präsent zu sein. Es bedeutet, an den richtigen Orten präsent zu sein.
Es bedeutet, Geduld zu haben – denn Vertrauen baut sich langsam auf, auch über Grenzen hinweg. Es bedeutet, die eigene Geschichte klar und konsistent zu erzählen, in jeder Sprache, in jedem Markt.
Und es bedeutet manchmal, unbequeme Fragen zu beantworten: Warum kein Alkohol? Warum Pfalz? Warum dieser Preis?
Ich beantworte diese Fragen gerne. Denn wer sie stellt, ist bereits interessiert.
Haardt Hills ist in Gimmeldingen an der Weinstraße verwurzelt. Aber der Anspruch, den wir hier verfolgen, ist nicht regional – er ist universal.
Guter Wein definiert sich nicht über Alkohol. Und gute Herkunft kennt keine Grenzen.
Gregory Emmel, Gründer Haardt Hills